Feministische Sicherheitspolitik - Workshop bei der Roten Frühlingsakademie 2026
Feministische Sicherheitspolitik – oder: „Warum Ole N. die Klappe halten sollte…“
Workshop bei der Roten Frühlingsakademie 2026 der Bremer Linkspartei am 9. Mai 2026 von 12:15 bis 14:45 Uhr in Bremen
Ole Nymoen hat mit seiner Position „Warum ich niemals für mein Land kämpfen würde“ den Nerv einiger Zeitgenoss:innen getroffen: Die Herrschenden planen für den nächsten Krieg und wir wollen da nicht mitmachen müssen… – Was als individuelle Strategie überzeugen mag (oder zumindest als legitim erscheint) muss sich dennoch der Frage stellen, warum eine rein individualistische Herangehensweise eine Antwort auf gesellschaftliche Fragen sein sollte?
Das autonome männliche Individuum – siehe das Beispiel Ole N. – verteidigt die Freiheit zur Flucht, ohne zu sehen, dass viele andere sich diese Wahl nicht leisten können. Denn diese beruht auf patriarchalen Privilegien. Die Mehrheit der Menschen, für die die Linke ja Politik machen will, genießt diese Privilegien nicht: Im Falle eines Krieges kann die Mehrheit der Bevölkerung eben nicht einfach so entkommen, nur eine Minderheit hat diese Wahl, denn dafür braucht es Bewegungsfreiheit, materielle und kulturelle Ressourcen, und soziale Flexibilität bzw. Ungebundenheit. Denken wir z.B. an Schwangere, Pflegebedürftige, Kleinkinder, bewegungseingeschränkte und andere Personen, welche der Fürsorge ihrer Mitmenschen bedürfen. Und Manche bleiben auch, weil sie einfach nicht gehen wollen.
Für diese Mehrheit der Gesellschaft braucht es kollektive Lösungen, denn individuelle Strategien taugen noch nicht für ein politisches Programm. Wir brauchen feministische und emanzipatorische Strategien, die den Menschen realistische Perspektiven für gemeinsame Sicherheit in den aktuellen, mehrfachen Krisen eröffnen. Wie können wir unser Verlangen nach Solidarität mit Inhalt füllen angesichts von komplexen Bedrohungsszenarien: Ein Baustein ist hierbei, die Sichtweisen und Erfahrungen aus Osteuropa ernster als bisher zu nehmen, ein anderer ist es, die akuten Angriffe auf zivile Infrastrukturen als ernsthafte Bedrohungen unserer Bevölkerung zu realisieren.
Gemeinsame Sicherheit ist als globales Anliegen zu verstehen. Es geht langfristig auch um den Abschied von einem System, das patriarchal aufgebaut ist und zu oft und zunehmend wieder auf militärischer Stärke gründet. Militärische Sicherheit im Sinne von Verteidigungsfähigkeit unserer Gesellschaften geht Hand in Hand mit der menschlichen Sicherheit für Alle einher. Das erfordert globale Anstrengungen für Ernährungssicherheit, Klimagerechtigkeit, Zivilgesellschaft, Menschenrechte und Multilateralismus.
Der Workshop wird von Tatjana Giss und Norbert Schepers von der LAG Internationalismus durchgeführt.
Rote Frühlingsakademie 2026 – Zwei Tage voll sozialistischer Bildungsarbeit
Freitag Abend, 8. Mai: Veranstaltung "Autoritäre Entwicklungen – Zivilgesellschaft unter Druck" um 19 Uhr im Klub Dialog, Am Deich 86, 29199 Bremen
Samstag tagsüber, 9. Mai: Workshops und mehr ab 10 Uhr im Bürgerhaus Oslebshausen, Am Nonnenberg 40, 28239 Bremen
Anmeldung und Programm siehe hier.
